Karfreitag
Feiertag? Moment… warum wird eine Kreuzigung gefeiert? Müsste dies nicht eigentlich der Anlass für einen „Trauertag“ sein? Diese Frage habe ich mir jedenfalls heute Morgen gestellt, denn auch von Tabor gibt es heute eine Feierstunde in der Stadthalle. „Kar“ ist ein althochdeutsches Wort und bedeutet „Trauer“ – Karfreitag bedeutet demnach eigentlich „Trauerfreitag“. In der evangelischen Kirche wird dieser Tag als Bußtag begangen, an dem Jesu Leidensgeschichte im Zentrum steht (auch Frankfurter Rundschau *g*). Wir erinnern uns also an diesem Tag daran, was Jesus auf sich genommen hat – für uns. Eine beeindruckende Passage aus dem Alten Testament bringt das genial auf den Punkt (Jesaja 53,3-6 zitiert aus HFA):
„Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet.Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen. Wir aber dachten, diese Leiden seien Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte. Doch er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheit. Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Der Herr aber lud alle unserer Schld auf ihn.“
Für mich erklärt das ein bisschen die Spannung zwischen Trauertag und Feiertag: Trauer darüber, dass Jesus meinetwegen leiden musste und Freude darüber, dass wir durch ihn jetzt Frieden mit Gott haben. Doch die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass Jesus nicht tot geblieben, sondern auferstanden ist! Deshalb feiern wir Ostern und deshalb ist der „Trauerfreitag“ auch kein richtiger Trauertag, weil wir wissen, was am Ostersonntag vor ca. 2000 Jahren passiert ist. Aber der Karfreitag erinnert mich daran, dass meine Erlösung etwas gekostet hat. Gott hat seinen eigenen Sohn für mich geopfert, damit ich für immer bei ihm sein kann. Das ist gewaltig. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass dies oft noch nicht bis in mein Herz vorgedrungen ist. Für mich ist Karfreitag eigentlich ein Feiertag wie jeder andere auch, aber ich wünsche mir, dass sich das bei mir ändert. Allerdings frage ich mich: Sollte nicht doch der Ostersonntag, an dem Jesus auferstanden ist, als der höchste Feiertag gelten?

Sehr cool mal Gedanken zu lesen die nicht in die Richtung „müssten wir nicht eigentlich Party an Karfreitag machen“ gehen.
Für mich ist dieser Feiertag jedes Jahr eine Herausforderung, da ich nicht so genau weiß, wie ich damit umgehen soll.
Auf der einen Seite ist es ja schon ein trauriger Tag, weil wir daran denken, dass Jesus gestorben ist, auf der anderen Seite wissen wir ja (hast du ja auch geschrieben) schon die Auflösung der Geschichte…
Mike meinte heute auch, dass der komische Umgang mit dem Karfreitag wohl daran liegt, dass keiner so genau weiß, wie er sich verhalten soll und die meisten sich in eine Art Pseudotrauer flüchten, weil einem die noch am angemessensten erscheint.
Ich hoffe, in den nächsten Jahren eine Lösung für mich zu finden und auch die richtige Herzenshaltung…
Tobi schrieb dies am 21. März 2008 um 8:27 |